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Merker, Paul:

Reißt die Schranken nieder! Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der christlichen Gewerkschaftsbewegung.

Verlag Betrieb und Gewerkschaft, Berlin., 1930.
47 S., 8°, Orig.-Broschur.

WIE252

Merker will mit der vorliegenden Broschüre nachweisen, dass die ´Entwicklung der christlichen Gewerkschaftsbewegung parallel mit der Entwicklung der reformistischen Gewerkschaftsbewegung´ geschehe und die ´ideologische Vereinigung der beiden Gewerkschaftsrichtungen auf Boden des sozialfaschistischen Programms´ geschehe. Er widmet sich davon ausgehend der Frage, wie die revolutionäre Gewerkschaftsopposition arbeiten müsse um größeren Einfluss auf christliche Arbeitermassen zu gewinnen und diese ´in die revolutionäre proletarische Kampffront´ einbeziehen zu können. Er antwortet damit direkt auf einen im christlichen Zentralblatt am 1. Februar 1930 erschienenen Artikel, in dem auf die Oppositionsbestrebungen von mit der RGI sympathisierenden Arbeitern innerhalb der christlichen Gewerkschaften eingegangen wurde. Merker schrieb diese Broschüre ´vor allem für aktive und klassenbewusste Proletarier in den religiös stark beeinflussten Gebieten Rheinland-Westfahlens, Schlesiens, Oberschlesiens und Süddeutschlands.´ In einem weiteren Kapitel setzt sich der Autor mit den theoretischen Lehren der christlichen Gewerkschaftsbewegung auseinander, also mit den Ideen Kolpings, Kettelers oder von Franz Hitze und stellt diese Untersuchung in den Rahmen einer kurzen historischen Beleuchtung der organisatorischen Entwicklung der christlichen Verbände. Laut Merker liegen ihre Ursprünge im ´Kampf der liberalen Bourgeoisie mit der reaktionären katholischen Geistlichkeit.´ Mit der evangelischen Bewegung hingegen, entwickeln sich politisch auch der Staatssozialismus und Antisemitismus verstärkt: ´Die Gegensätze [der ´liberalen Bourgeoisie´, Anm.] mit der katholischen Kirche waren konfessionelle und hatten den Kampf um die Massen zur Grundlage. Im Verlauf der erst viel später einsetzenden evangelisch-sozialen Bewegung bildete sich die Gruppe der Staatssozialisten heraus, die jedoch keinen Einfluss unter den Arbeitern finden konnte und später in der christlich-sozialen Partei aufging. Die letztere blieb ebenfalls von den Industriearbeitern isoliert. Sie stützte sich immer mehr auf das evangelische Kleinbürgertum, besonders in ländlichen Gebieten mit zahlreichen handwerksmäßigen Betrieben, entwickelte starke antisemitische Tendenzen und kann nach ihrer sozialen Zusammensetzung und nach ihrem Programm als ein Vorläufer der heutigen Nationalsozialisten bezeichnet werden.´ (S.19). Die Linie, die Merker in der Broschüre den Mitgliedern der revolutionären Gewerkschaftsorganisationen in Deutschland stellt, ist auch bei den christlichen Verbänden auf den ´Kampf um die Massen´ (vgl. 5. RGI-Kongress) ausgerichtet: ´Die Anhänger der revolutionären Gewerkschafts-Opposition müssen sich daran gewöhnen, dass sie [...] auch in die christlichen Verbände einzudringen haben, um dort den Kampf gegen die christliche Bürokratie zu eröffnen. [...] Es ist keine Schande für einen revolutionären Arbeiter, Mitglied der christlichen Gewerkschaft zu werden, wenn der Eintritt in der Absicht erfolgt, dort revolutionäre Arbeit zu leisten [...].´ Zur Biographie des 1894 geborenen Paul Merkers ist anzumerken, dass er zwischen 1912 und 1918 selbst Mitglied einer christlichen Gewerkschaft war, ehe er innerhalb von zwei Jahren den Freien Gewerkschaften, zuerst der USPD und 1920 dann der KPD beitrat, wo er in der Gewerkschaftsabteilung der Partei arbeitete. Unterbrochen von anderen politischen Tätigkeiten war er ab 1929 ´Reichsleiter der Revolutionären Gewerkschaftsopposition´ und damit Mitglied im ZK der KPD. Von diesem Posten wurde er jedoch im April 1930, also zwei Monate nach dem Erscheinen der vorliegenden Broschüre, wegen ´Linksabweichungen´ entfernt. Später konnte Merker sich für kurze Zeit als Politiker in der DDR etablieren, bis er 1950 als ´französischer Agent´ verhaftet wurde und bis 1956 inhaftiert blieb. - Umschlagrücken und oberes Kapital eingerissen, einzelne Seiten ohne Textverlust mit Randläsuren. Letzte Seite lose. Insgesamt ordentlich erhaltenes Exemplar.

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