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Ruge, Arnold / Echtemeyer, Theodor (Hrsg.):
Hallische Jahrbücher für deutsche Wissenschaft und Kunst. Kritiken - Charakteristiken - Correspondenzen - Uebersichten/ Deutsche Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst. 1.-5. Jg. mit je 12 Heften [vollständig, bis auf die beschlagnahmte Ausgabe v. Januar 1843].
Otto Wigand, Leipzig., 1838-1842.
getr. Z?hlung., 4°, OPbd., z. T. Halbleder.
getr. Z?hlung., 4°, OPbd., z. T. Halbleder.
BER85303
Die ?Hallischen Jahrbücher?, später ?Deutsche Jahrbücher?, waren das publizistische Forum der Junghegelianer ? alsbald ihres linken Flügels ? schlechthin. Außerdem können sie als zentrales Organ der Vormärz Literatur gelten. Der liberale Verleger Otto Wigand gab neben den Jahrbüchern eine ganze Reihe von Werken der Vormärzliteratur und aus den Kreisen der Junghegelianer heraus. Er verlegte u. a. auch ?Die Lage der arbeitenden Klasse in England? von Friedrich Engels, das Gesamtwerk v. Ludwig Feuerbach, weitere Literatur von Arnold Ruge, aber auch Max Stirners ?Der Einzige und sein Eigentum?. Die vom zeitweiligen Weggefährten Marx? Arnold Ruge und seinem Freund Theodor Echtemeyer begründeten Jahrbücher, versammelten im Laufe der Zeit die kritischste Tendenz der zeitgenössischen Philosophie, den Linkshegelianismus. Unter den Autoren befanden sich, neben Arnold Ruge selbst, so prominente Figuren wie Ludwig Feuerbach und Bruno Bauer. Sogar ein gewisser ?Friedrich Oswald?, kein anderer als Friedrich Engels, veröffentlichte in diesem Forum der kritischen Intelligenz einen seiner frühen Artikel mit dem Titel: ?Alexander Jung. Vorlesungen über die moderne Literatur der Deutschen.? (Vgl.: MEW Bd. I/ MEGA I/3). Dieser in den ?Deutschen Jahrbüchern? erstmals veröffentlichte Text Engels? markiert dessen endgültigen Bruch mit dem ?Jungen Deutschland? und zugleich das Ende des bisher vornehmlich literarischen Wirkens Engels. Er verdeutlicht Engels Hinwendung zu einer politisch und theoretisch radikalen Interpretation Hegels sowie einer bald charakteristisch werdenden Vermittlung objektiver Analyse mit praktischem politischen Kampf. In dem Artikel verteidigt er die objektive Komponente Hegels und der Junghegelianer gegen die Angriffe des Jungen Deutschlands und kritisiert ihre (rein) subjektivistischen Standpunkte. Bei Begründung der Zeitschrift im Jahre 1838 gehörte sie zu den ambitioniertesten Projekten der damaligen Wissenschaftslandschaft. Schnell jedoch verengte sich der Personenkreis, der bereit war, in dieser Zeitung zu veröffentlichen, in dem Maße wie sich die Tendenz des Herausgebers und einiger zentraler Autoren zu religions- und staatskritischen Tönen verstärkte. Anfänglich brachten Ruge und andere Junghegelianer noch das ?gute? aufgeklärte Preußen, in dem Hegel den Staat schlechthin und die Realisation des Weltgeistes gesehen hatte, gegen den Obskurantismus des Katholizismus in Anschlag, so z. B. im ?Leo-Hegelschen Streit?. Von Seiten der Junghegelianer wurde er auf den Seiten der ?Hallischen Jahrbücher? ausgetragen. Dieser führte jedoch dazu, dass die Strömung um Ruge in Konflikt mit den konservativeren Vertretern des Hegelianismus gerieten und die reaktionäre Fraktion in Deutschland erkannte, dass hier keine philosophisch-religiöse, sondern eine politische Auseinandersetzung geführt wurde. Die Diskussion trug maßgeblich bei, dass Ludwig Feuerbach den bisherigen Hegelianismus einer kritischen Neubewertung unterzog und seine Auseinandersetzung mit der Religion immer radikalere Züge annahm ? letztlich also auch zur wissenschaftlichen Begründung eines Materialismus im Marx?schen Sinne. Was Feuerbach z. B. mit der ?Kritik der ?positiven Philosophie??, erschienen im Dezember 1838 in den Jahrbüchern, begann, mündete in die ?Kritik der hegelschen Philosophie?, in den Nummern vom August und September 1939. Hier formulierte er den Gedanken, dass die Hegelsche Philosophie nicht als Vollendung der Philosophie überhaupt zu verstehen sei, sondern als nur eine Stufe in der geistigen Entwicklung der Menschheit. Er verwarf bereits den Gedanken, dass die ?Gattung? Mensch, sich in einzelnen Individuen realisiere und unterzog die quasi religiösen Momente im Hegelschen Gedankengebäude, seine ?rationale Mystik?, einer scharfen Kritik. Der Hauptfehler des Hegelianismus sei sein ?Bruch mit der sinnlichen Auffassung?, also nicht von der dinglichen Welt und dem Menschen als physischem, bedürftigen Wesen auszugehen. Damit legte er wesentliche Grundsteine für einen Materialismus, der Marx und Engels? Auffassungen maßgeblich beeinflusste. Allerdings war Feuerbach damit den anderen Linkshegelianern um Einiges voraus. Diese ignorierten zunächst noch die materialistische Komponente. Manche griffen sie nie auf. Wohl aber hörten sie die Kritik an Hegel, das Prinzip mit dessen dialektischen und negatorischen Methoden, über ihn selbst hinauszugehen. Parallel zu diesem erkenntnistheoretischen Prozess verlief die Radikalisierung der Linkshegelianer. Zunächst stellten sie fest, dass das wirkliche Preußen mit seiner Zensur und anderen Repressalien ? Ruge und Bauer wurden z. B. von Professuren ferngehalten ? keineswegs mit ihrem Ideal eines liberalen und aufgeklärten Preußen übereinstimmte. Während sie zunächst noch das Ideal gegen die Wirklichkeit in Anschlag brachten, trug die zunehmende Repression, insbesondere nach der Thronbesteigung Friedrich-Wilhelm IV., neben ihren erkenntnistheoretischen Fortschritten immer weiter dazu bei, die Linkshegelianer in das Lager eines demokratischen Republikanismus und Atheismus zu treiben. Da ihnen die ?Hallischen Jahrbücher in dieser Frage zu wankelmütig blieben, überlegten Marx und Bauer im Jahr 1841 eine atheistische Zeitschrift zu begründen. Ruge jedoch kam ihnen jedoch mit den ?Deutschen Jahrbüchern? zuvor, die aufgrund der Repressionen ab Mitte des Jahres 1841 nicht mehr unter dem alten Namen weiter geführt werden konnten. Ab 1841/1842 bestimmen die Schriften Bruno Bauers und Ludwig Feuerbachs immer mehr die Inhalte der Zeitschrift. Engels faßte das Ergebnis des Prozesses 1843 in ?Fortschritte der Sozialreform auf dem Kontinent? folgendermaßen zusammen: ?Die Junghegelianer von 1842 waren erklärte Atheisten und Republikaner?; die Zeitschrift der Partei, die ?Deutschen Jahrbücher?, war radikaler und offener als je zuvor [...]?. Dies brachte brachte der Zeitschrift jedoch mit der konfiszierten Januarausgabe 1843 das endgültige Verbot ein. ---Weitere wichtige Artikel, die in den Hallischen bzw. Deutschen Jahrbüchern erstmalig erschienen: Die Artikelserie: ?Der Protestantismus und die Romantik.? - Eine ausführliche Abrechnung Ruges und Echtemeyers mit der Ideologie der Romantik; die in den Jahren 1840/41 erschienenen Artikel Arnold Ruges ?Europa im Jahr 1840?, ?Zur Kritik des gegenwärtigen Staats- und Völkerrechts?, ?Das Manifest der Philosophie und seine Gegner? oder ?Politik und Philosophie?, in denen Ruge einen zunehmend republikanischen Kampf gegen ein zunehmend autoritäres Preußen führte; ein Schlüsseltext Bruno Bauers aus dem Juni 1841 ?Der christliche Staat und unsere Zeit?, die den endgültigen Bruch der Junghegelianer mit dem preußischen Staat und dem Christentum als legitimatorischer Ideologie markiert u. v. m. --- Die Bände weisen einige erwartbare und unvermeidliche Alterserscheinungen auf: Randläsuren sowie z. T. kleineren Einrissen an Deckeln und Rücken, z. T. Stock-, Staub- oder Ölflecken an den Seitenrändern ? aber in überschaubarem Ausmaß, bei Bd. II/1839 u. II/1840 sind die Rücken angeplatzt, bei Bd. I/1840 die untere Ecke des Vorderdeckels, bei den Bd. 1841 ist der Hinterdeckel lose, bei Bd. 1842 beide Deckel. Auf dem Vorsatz finden sich Stempel mit ehem. Besitz- sowie Ausmusterungsvermerk. Innen sind aber alle Bände vollständig und für das Alter erstaunlich gut erhalten. Die Bindung hält stabil. Tw. sind die Bände auf Hadernpapier gedruckt, d. h. resistent gegen die Zerfallserscheinungen v. Papier auf Holzbasis. --- The ?Hallische Jahrbücher? and ?Deutsche Jahrbücher? were the central publishing institutions of the Young Hegelians and over time increasingly its left wing. Also they played a major role for the German ?Vormärz? ? meaning the precusor to the Revolution of 1848. The liberal publisher of the journals Otto Wigand was responsable for a whole series of critical and radical publication such as Engels ?Die Lage der arbeitenden Klasse in England? (The Condition of the Working Class in England ), the works of Ludwig Feuerbach, further literature of Arnold Ruge, but also Max Stirners ?Der Einzige und sein Eigentum? (The Ego and its Own). The ?Jahrbücher? were founded by the temporarily important companion of Marx Arnold Ruge and his friend Theodor Echtemeyer. The assembled over the course of time the most critical tendency in German philosophy the Hegel Left. Besides Ruge himself such prominent exponents of the current like Ludwig Feuerbach and Bruno Bauer were among the authors of the journal ? in addition to a certain ?Friedrich Oswald? - who was no other than Friedrich Engels himself. Here he published one of his earliest articles: ?Alexander Jung. Vorlesungen über die moderne Literatur der Deutschen.? (see also: MEW Bd. I/ MEGA I/3) ? which also marked his final break with ?Junges Deutschland?, the end of his earliest period in which he occupied himself mainly with literature and a hallmark for his conversion to a Hegelian radical. The basis for the later characteristic combination and transmission of guiding objective analysis and political action was laid out here in his defence of objectivity within (Young) Hegelian thought and his criticism of (exaggerated/ exclusive) subjectivism of the ?Junges Deutschland?-faction. Within the pages of the two journals also appeared a decisive development of Ludwig Feuerbach. In the course of the so called ?Leo-Hegel?-controversy Feuerbach developed his increasingly radical criticism of religion ? which let in the end to the foundation of materialism in the Marxian sense. In terms of a materialism that inspired the thought of Marx and Engels so much Feuerbach already preced many of his fellow Hegelians. But also Ruge and others made headway ? they had come far. Whereas in the beginnings (1838/39) the shared Hegels notion of the Prussian state as the ideal state and realisation of the ?Weltgeist? they realized more and more how far the real Prussian state was from the ideal in their heads ? especially under the impression of the increasing repression after the coronation of Friedrich-Wilhelm IV. Over the course of the years 1840/41 the journal and its authors became increasingly radical republican/ democratic and atheist. To avoid censorship it was therefore renamed ?Deutsche Jahrbücher? in mid 1841. In 1841/1842 Feuerbach and Bauer became the leading figures of the journal ? until its end in january 1843 when it was finally illegalized and its final issues confiscated. --- For other important contributions see the section above headed ?Weitere wichtige Artikel?. ---The Volumes show some expectable and almost unavoidable signs of age: signs of wear and minor tears on the boards as well as the backs; partially the margins the pages are affected by stains of dust, foxing or greasy spots ? but all of this is of moderate intensity. Vol. II/1839 and II/1840 show some partial cracks along the edges of the back, with Vol. I/1840 the lower corner of the board is missing the upper layer of the cover; the back cover of Vol. 1841 is loose, both boards of Vol. 1842 are loose. The front endpapers come with ex-libris and withdrawal stamps. BUT the body of all of the volumes is completely and ? considering the age ? remarkably well preserved. The inner binding is sturdy. Partially the volumes are printed on cotton paper ? which means they are resistant to the usual dissolution of paper made from wood.
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